Papiergewebe, Collage im Kunsttreff freiRAUM

Aus vielen Schnipseln wird ein gemeinsames Kunstwerk

Was haben alte Tageszeitungen, Werbeprospekte, Magazine und zwölf Menschen gemeinsam? Auf den ersten Blick vermutlich nicht viel. Doch beim letzten Kunsttreff freiRAUM in der Schlossgalerie des HKK in Fußgönheim entstanden genau daraus drei großformatige Gemeinschaftscollagen.

Die Idee zu diesem besonderen Thema stammt von Elvira Fischer, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Technik der Flicken-Collage einführte und den kreativen Prozess begleitete. Inspiration war unter anderem der amerikanische Nachhaltigkeitskünstler Derek Gores, der für seine Porträts aus gerissenen Magazinseiten bekannt ist. Doch an diesem Nachmittag ging es nicht darum, seine Werke nachzuahmen, sondern den eigenen Ausdruck zu finden.

Aus alten Tageszeitungen werden Kunstwerke. Aus zufällig zusammengelosten Menschen wird ein Team. Aus unzähligen Schnipseln entsteht Schritt für Schritt ein gemeinsames Bild.

Gemeinsam einen Anfang finden

Schon die Gruppeneinteilung sorgte dafür, dass niemand sich seine Mitstreiter aussuchen konnte. Per Los fanden sich jeweils vier Personen an einem Tisch zusammen. Dort wartete bereits ein Zettel, der das Thema vorgab: Lebewesen und Natur, Glück und Hoffnung oder Kultur, Musik und Kunst. Außerdem lag für jede Gruppe ein vorbereitetes Materialpaket bereit. Ergänzt wurde es durch Tische voller Zeitungen und Magazine, die nach Herzenslust gerissen und verarbeitet werden konnten.

Der Anfang in meiner Gruppe war gar nicht so einfach. Vier Menschen, vier Ideen und nur ein großes Blatt Papier. Wie beginnt man gemeinsam ein Bild, ohne dass jemand dominiert? Es wurde überlegt, ausprobiert und wieder verworfen. Doch sobald die ersten Schnipsel ihren Platz gefunden hatten, entwickelte sich der kreative Prozess fast wie von selbst.

Wenn aus Schnipseln ein Bild entsteht

Die schmalen Zeitungsspalten bildeten dabei ein feines Geflecht aus Texten, Bildern und Farben. Was ursprünglich nichts miteinander zu tun hatte Schlagzeilen, Werbeanzeigen, Fotos oder einzelne Wörter, verband sich zu einer völlig neuen Bildsprache. Aus scheinbar zusammenhanglosen Fragmenten entsteht aus dieser Technik etwas Eigenständiges.

Natürlich wurde währenddessen nicht nur geklebt, sondern auch gelacht. An unserem Tisch fiel irgendwann der Satz: „Jetzt bist du aber zu verkopft.“ Irgendwann musste das Planen dem Tun weichen. Statt nach der perfekten Lösung zu suchen, durfte einfach ausprobiert werden.

Drei Gruppen, drei unterschiedliche Bildwelten

Die entstandenen Werke zeigen, wie unterschiedlich ein gemeinsames Thema interpretiert werden kann. Zum Begriff Lebewesen und Natur entstand eine Frauenfigur, deren Kleid sich aus einem bunten Flickenteppich unzähliger Papierschnipsel zusammensetzt. Die Gruppe Glück und Hoffnung entwickelte ein großflächiges, farbenfrohes Motiv mit einer markanten Farbpalette. Das Thema Kultur, Musik und Kunst wurde durch viele unterschiedliche Frauenköpfe dargestellt, ein Sinnbild für Engagement, Vielfalt und Gemeinschaft.

Auf den ersten Blick würde man kaum vermuten, dass jedes Bild von vier verschiedenen Menschen gestaltet wurde. Erst wenn man die Entstehungsgeschichte kennt, erkennt man den eigentlichen Wert dieser Arbeiten. Unterschiedliche Ideen und Sichtweisen sind so miteinander verwoben, dass daraus ein gemeinsames Ganzes entstanden ist.

Zu sehen bei der Ausstellung Impressionen 2026

Die drei Gemeinschaftscollagen werden im Oktober im Rahmen der Ausstellung „Impressionen 2026“ zu sehen sein. Wer sie betrachtet, entdeckt vielleicht zunächst Figuren, Farben und Formen. Wer ihre Geschichte kennt, sieht noch etwas anderes: ein feines Netzwerk aus Ideen, Gesprächen und vielen kleinen Schnipseln, die erst gemeinsam ein Ganzes ergeben.

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