Experimentelles Drucken, Kunst mit Verpackungsmüll und Alltagsmaterialien

Am 16. Mai 2026 fand das zweite Treffen des Jahres des freiRAUM Kunsttreffs beim HKK in Fußgönheim statt. Wieder kamen neun Personen im Schloss zusammen, um gemeinsam kreativ zu arbeiten und zwei Stunden lang in eine besondere Atmosphäre einzutauchen. Auch dieses Mal wurde wieder Kunst geschaffen, aber nicht geschnitten oder gebaut, sondern gedruckt. Begleitet wurde der Vormittag von Susanne Dobreff.

Schon beim Betreten des Raumes war klar, dass es diesmal experimenteller werden würde. Mehrere Tische waren als offene Stationen aufgebaut, es lagen Materialien bereit: Acrylfarben, Papier und verschiedenste Fundstücke aus Verpackung und Alltag. Es gab keine festen Plätze und keine klassischen Sitzordnungen. Im Raum gab es eine zentrale Druckstation und wir bewegten uns frei zwischen den Tischen, probierten aus und arbeiteten direkt gemeinsam auf den ausliegenden Papieren.

Drucken mit Dingen, die sonst weggeworfen werden

Besonders spannend war, wie unterschiedlich die Materialien Spuren hinterließen. Gedruckt wurde nicht nur mit Pappen aus Verpackungsmaterial, sondern auch mit unerwarteten Oberflächen. Manche nutzten Obstnetze, andere die strukturierte Oberfläche von Verpackungen oder Teile von Alltagsgegenständen mit interessanten Mustern wie Feuerwerksraketenständer.

Durch die Acrylfarbe entstanden immer neue Strukturen, Linien und Flächen. Manche Drucke wirkten wie textile Muster, andere eher zufällig und fragmentarisch. Oft war vorher nicht klar, wie ein Abdruck aussehen würde, genau darin lag der Reiz des Prozesses.

Kunst mit Verpackungsmüll

Gemeinsam an vielen Bildern arbeiten

Anders als bei klassischen Einzelarbeiten entstand hier alles im gemeinsamen Prozess. Die Papiere lagen offen auf den Tischen und jede Person hinterließ immer wieder neue Spuren. So entwickelten sich viele Werke kollektiv. Ein Druck ergänzte den nächsten, Farben überlappten sich und aus einzelnen Fragmenten entstanden zusammenhängende Bildflächen.

Besonders sichtbar wurde dabei eine spielerische Haltung. Es ging nicht darum, etwas „richtig“ zu machen oder ein fertiges Bild im Kopf zu haben. Stattdessen stand das Entdecken der Materialien, das Ausprobieren und das Reagieren auf bereits entstandene Farbabdrücke im Vordergrund.

Ein gemeinsamer Prozess, der ohne viele Worte auskommt

Während der Arbeit blieb der Raum insgesamt ruhig. Es wurde wenig gesprochen, dennoch entstand ein deutlich spürbarer gemeinsamer Rhythmus.

Auch der Moment, in dem ein Bild als fertig galt, wurde nicht abgesprochen, sondern ergab sich individuell. Jede Person fand diesen Punkt für sich, und trotzdem wirkte das Gesamtbild im Raum stimmig.

Parallel arbeiteten Susanne und gelegentlich einzelne Personen aus der Gruppe an einer Leinwand weiter und integrierten dabei Druckmaterialien und Farbreste aus dem Prozess. Die verwendeten Sperrholz-Druckstöcke werden später in einen Schrank integriert als archivierte Spuren des gemeinsamen Arbeitens.

Kunst mit Verpackungsmüll

freiRAUM als Ort zum Ausprobieren

Für mich zeigt dieses Treffen erneut, was den freiRAUM ausmacht. Es geht nicht um Perfektion oder ein festgelegtes Ergebnis, sondern um einen Raum, in dem kreatives Arbeiten offen bleiben darf. Materialien können zweckentfremdet werden, Ideen entstehen im Tun und jede Spur gehört zum Prozess.

Auch der Einsatz von Verpackungsmaterial und Alltagsgegenständen Kunst zu kreieren passt zu diesem Ansatz. Dinge, die sonst unbeachtet bleiben, bekommen eine neue Funktion und werden zu Werkzeugen für experimentelles Arbeiten.

Ausblick auf freiRAUM in 2026 

Das Treffen im Mai war bereits der zweite Termin in diesem Jahr und es ist spannend zu sehen, welche unterschiedlichen Ansätze sich entwickeln. Trotz wechselnder Methoden bleibt die offene, konzentrierte Atmosphäre konstant spürbar.

Am 4. und 11. Oktober 2026 werden die entstandenen Werke wieder ausgestellt. Bis dahin entstehen sicher noch weitere Experimente und gemeinsame Arbeiten.

Kunst mit Verpackungsmüll
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